Da heißt es warten, es geht erst einmal nichts mehr, solange, bis die Luft aus dem Magen entwichen ist.

Dieser Beitrag entstand auf Anregung einer Dokumentation in der ARD-Mediathek mit dem Titel „Pflegende Angehörige am Rande der Erschöpfung“ mit und von Caren Miosga – verfügbar bis 26.10.2028

Besonders beeindruckt hier der 3. Beitrag, in dem zwei Schwestern (die eine erst 23 Jahre alt) ihre Mutter pflegen, die durch ein geplatztes Aneurysma ins Koma fiel und im Koma vier Schlaganfälle erlitt. Die Mutter ist halbseitig gelähmt. Nach acht Jahren Pflege zu Hause lebt sie (58 Jahre alt) nicht glücklich in einem Pflegeheim.

Es ist wichtig, auch für jüngere Menschen, eine Patientenverfügung zu hinterlegen.

Geduld ist die schwierigste Form der Tapferkeit

Geduld ist vom pflegenden Angehörigen häufig gefragt. Der Betroffene will viel allein erledigen, z.B. sich Jacke und Schuhe anziehen. Im Grunde ist das richtig und sollte akzeptiert werden. Doch das kann mitunter dauern, denn die steifen, zitternden Gelenke, bzw. Finger erschweren dies. Der Jackenärmel versteckt sich und der Reißverschluss lässt sich einfach nicht händeln. Kaum stecken die Füße in den Schuhen, stellt man fest: sie sind unbequem und man will ein anderes Paar versuchen. So verstreicht Minute um Minute.

Ein Arztbesuch steht an. Beide stehen ausgehfertig im Flur. An die wichtigsten Dinge haben sie gedacht: Arztkarte, Tabletten, Wasserflasche, Rollator. Da fällt dem Einen ein, dass er unbedingt noch Uhr, Brille und Taschentuch braucht. Selbst will er das Fehlende holen. Na, das ist doch schnell getan. Schnell??? Manchmal gehorchen die Glieder einfach nicht oder Dinge lenken ab, man verzettelt sich (Punding).

Im Alltag gibt es für den Erkrankten und Partner viele Hürden zu überwinden. Beide Seiten müssen ihre Stellung zueinander annehmen, ohne dass der eine ständig bevormundet und der andere stetig jammert.

Aber: die Angehörigen stehen nicht allein da. Es gibt gute Hilfsangebote, z.B.

  • Tagespflege oder Kurzzeitpflege – der Betroffene wird für eine zeitlich begrenzte Zeit in einer Einrichtung betreut
  • Verhinderungspflege – die zu pflegende Person kann zu Hause durch Verwandte/Bekannte für einen zeitlich begrenzten Zeitraum beaufsichtigt werden.

Weitere Unterstützung gibt u.a. es durch

  • Selbsthilfegruppen: sie unterstützen beide Partner durch Fachvorträge, durch Bewegungsangebote, durch Erfahrungsaustausch und einmal im Jahr durch Urlaubsangebote
  • Pflegedienst unterstützt, z.B. mit Fensterputzen, Reinigungsarbeiten, Baden oder Duschen, Einkaufen u.a.
Pflegende brauchen Zeit für sich. Gönnen Sie sich Ruhe, spannen Sie aus, lesen Sie ein Buch oder gehen Sie ins Kino oder Konzert. Nur wenn Kraft getankt wird, kann dem Erkrankten optimal geholfen werden.


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